|
Buchvorstellung Banlieu – die Zeit der Forderungen ist vorbei
Der polizeilich verschuldete Tod zweier Jugendlicher in der Pariser Vorstadt Clichy-sous-Bois löste im
Herbst 2005 eine wochenlange Revolte aus, die sich rasch über die Armutsviertel des gesamten Landes ausbreitete. Schon bald war von Intifada und Stadtguerilla die Rede, vom Kollaps der multikulturellen Gesellschaft,
von der Festigung kolonialer Verhältnisse innerhalb Europas. So schnell, wie der Chor der Kommentatoren anhob, verstummte er auch wieder. Spätere Revolten wurden kaum noch zur Kenntnis genommen, genauso wenig wie
die sicherheitspolitische Aufrüstung des französischen Staates. Was aber geschieht in den französischen Armutsvierteln wirklich? Welche Gewaltverhältnisse bestimmen den Alltag auf der Straße, in der Familie, in
den Schulen, am Arbeitsplatz und auf dem Arbeitsamt? Welche Rolle spielt die lange Vorgeschichte des Aufstands, von den Unruhen der 1970er und 1980er Jahre über die Reformpolitik unter Mitterrand bis hin zur
Durchsetzung des Antiterrorismus als neuem sicherheitspolitischen Paradigma? Und vor allem: Wie beschreiben die Bewohner und Bewohnerinnen der Viertel selbst ihre Lage und wie begründen sie ihre Verweigerung
institutionalisierter Politikformen?
Diese und weiter Fragen diskutierten mit dem Publikum drei VertreterInnen des Kollektiv Rag:
Ingrid Artus arbeitet als Soziologin an der Universität Erlangen-Nürnberg. Sie lebte zum Zeitpunkt der Novemberrevolte2005 im Rahmen
eines Forschungsaufenthalts in Frankreich Emmanuelle Piriot arbeitete von 2001 bis 2004 als Journalistin bei der Fachzeitschrift für Lokal- und Regionalverwaltung La gazette de commune, des départments et
de régions. Sie lebt in Berlin und arbeitet als freie Übersetzerin. Oskar Schlaak ist Mitarbeiter des RuhrgebietsInternationalismusArchiv Dortmund (RIAD). Er wohnt in Köln.
25.02.2010
|