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Prekarisierte Arbeit - geteilte Solidarität -
Alte und neue Arbeiterklasse in China
Auch –oder gerade? – die bürgerlichen Medien ziehen ob der wirtschaftlichen Entwicklung in China immer wieder den Hut vor dessen
erstaunlichen Leistungen. Betrug der Anteil der Volksrepublik an der Weltproduktion gerade mal drei Prozent in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, so waren es im vergangenen Jahr 19 Prozent. Die
gesamtwirtschaftliche Kapazität ist mittlerweile größer als die in den USA. Haben auch die westlichen Linken Grund, vor diesem Riesenland den Hut zu ziehen? Labournet, express, tie und Südwind, unterstützt von SALZ
und Taranta Babu haben die drei chinesischen Basisaktivisten Au Loongyu, Yan Yuanzhang und Yu Feng eingeladen, um in einem Wochenendseminar annähernde Antworten auf diese Frage zu finden.
Die drei kamen aus Hongkong und Peking. Sie sind aktiv im chinesischen Arbeiternetzwerk und vertreten in Basisgewerkschaften bzw.
–organisationen die Interessen der Wanderarbeiterer („neue Arbeiterklasse“) und den in den verbliebenen staatlichen Unternehmen Arbeitenden („alte Arbeiterklasse“).
Die „neue“ Arbeiterklasse wird auf rund 200 Millionen
Wanderarbeiterinnen und –arbeiter vom Land geschätzt. Damit hat China ein enormes Potenzial flexibler Arbeitskräfte, die üblicherweise zu Niedriglöhnen in kaum abgesicherten
Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind. Die „alte“ Arbeiterklasse sind die Arbeiterinnen und Arbeiter in staatlichen Einrichtungen, privatisierten oder (noch) staatseigenen Großunternehmen
, die unter vergleichsweise gesicherten und besser bezahlten Bedingungen arbeiten. Auch hier stellt sich das Problem der Spaltung und die Frage nach solidarischen Formen ihrer Überwindung.
Die Umstellung von der Planwirtschaft auf die Marktwirtschaft vor mehr als 30 Jahren sei, so die
Referenten, als „Allheilmittel“ dargestellt und von der Arbeiterschaft auch durchaus als solches begrüßt worden. Erst auf lange Sicht sei begriffen worden, „dass es um einen
Privatisierungsprozess gehe und dass der errichtete Kapitalismus die Menschen frißt“. Die drei chinesischen Aktivisten verwiesen auf eine steigende Zahl von Streiks, u.a. im Perlflussdelta,
bei Honda oder in einem großen chinesischen Stahlwerk im Nordosten. Das letzte Beispiel hätte mit seinem Erfolg – der lokal mit einem Feuerwerk groß gefeiert wurde – „ganz China erschüttert“.
Auch wenn es in den Diskussionen zu unterschiedlichen Einschätzung zwischen den
chinesichen Aktivisten über Bedeutung und Wirkungsmächtigkeit der „neuen“ und der „alten“ Arbeiterklasse kam, auch wenn mitunter Aspekte der maoistischen Vergangenheit Chinas in
allzu rosa (oder „rotes“) Licht getaucht wurden, waren sich alle bei der Antwort auf eine Frage einig: Welches Gesellschaftssystem herrscht in China? Es ist weder ein Sozialismus chinesischer
Prägung, so die Antwort, noch eine sozialistische Marktwirtschaft. „Es ist eindeutig ein kapitalistisches Land, ein Kapitalismus bürokratischer Prägung.“ Und: „Diese Partei ist keine
kommunistische Partei.“
Das ausführliches Protokoll und Mitschriften gibt es hier.
29. Mai 2011
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