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Veranstaltung und Filmvorführung zum 95. Geburtstag
Jakob Moneta: Jude, Gewerkschafter, Sozialist
von Manuel Kellner
Am 11. November 2009 haben wir unseren Schirmherrn Jakob Moneta anlässlich seines 95. Geburtstags in Anwesenheit
unseres Geschäftsführers Peter Schüren in Dortmund geehrt. Nach einer kurzen Einführung von mir(als dem Pädagogischen Leiter von SALZ e.V. - ich wies
u.a. darauf hin, dass Jakob Moneta viele Jahre lang der Kolumnist und beliebteste Autor der Sozialistischen Zeitung (SoZ) war, wurde der inhaltsreiche Film von Juri
Hälker gezeigt.
Anderthalb Stunden absolut minimalistische Filmtechnik: Jakob Moneta spricht (im
Jahr 2004) über Stationen seines Lebens; manchmal orientiert eine eingeblendete Zeile darüber, worum es gerade geht, ab und zu stellt Juri aus dem Off eine Frage.
Anderthalb Stunden, die wirklich spannend sind - die ca. 20 Anwesenden sind gebannt und die ganze Zeit über aufmerksam.
Der Lebensweg eines "Urgesteins der sozialistischen Arbeiterbewegung", wie es in der
Einladung hieß, beginnt mit dem frühen Engagement in der SJV, dem Jugendverband der links von der SPD stehenden SAP und der Flucht vor den Nazis nach Palästina.
Jakob Moneta schildert seine Erfahrungen im Kibbuz in ihrer Widersprüchlichkeit, seine Rolle bei Streiks, seine Inhaftierung ohne Prozess durch die britische
Mandatsregierung. Zurück in Deutschland machte er sich beim Chef der sozialdemokratischen Rheinischen Zeitung nicht beliebt, weil er dafür eintrat, dass sich
sozialdemokratische Mandatsträger auf ein Einkommen von 2000 Mark beschränken sollten und weil er Artikel von Ernest Mandel über die Arbeiterselbstverwaltung in Jugoslawien ins Blatt rückt.
Als Sozialattaché der Deutschen Botschaft in Paris knüpfte er viele Kontakte in
Gewerkschaftsbewegung und politischer Linken und half u.a. der algerischen FLN. Als Chefredakteur der "Metall" und von "Der Gewerkschafter" trug er entscheidend zum
Aufschwung einer Gewerkschaftszeitung bei, die - in Zusammenarbeit mit Wallraff - enthüllte, was wirklich in den Betrieben passiert, die politisch heiße Eisen anpackte,
Streikbewegungen unterstützte und in mehreren Sprachen erschien, um möglichst viele MigrantInnen zu erreichen.
Viele Jahrzehnte blieb Jakob Moneta der kleinen revolutionären Strömung der Vierten
Internationale treu und hatte dafür gute Argumente; zugleich wirkte er stets im sehr viel breiteren Rahmen der Gewerkschaftsbewegung und der politischen Linken, auch als Vorstandsmitglied der PDS.
Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch das Lebenswerk des kürzlich verstorbenen
Genossen Willi Scherer geehrt, dessen Weg als KPD-Mitglied und später (nach seinen eigenen Worten)gewissermaßen "Vorzeigeproletarier" des Sozialistischen Büros
(SB)ebenfalls zur SoZ geführt hatte, und den man gewiss ebenso wie Jakob Moneta als "Urgestein der sozialistischen Arbeiterbewegung" bezeichnen kann.
Die Anwesenden schickten Jakob Moneta eine Glückwunschkarte zum Geburtstag. Eine
Reihe von ihnen saß nach der Veranstaltung noch zusammen und tauschte Erinnerungen aus. Die erstaunliche Persönlichkeit eines Menschen, der sich an breite
Massen wenden konnte, aber zugleich auch mit Klarnamen (um ein Beispiel zu nennen) die Aktionen der RAF-Angehörigen für bessere Haftbedingungen unterstützte, stand dabei im Mittelpunkt.
Außerdem wurden aber auch im gemütlichen Kneipenraum des linken Buchladens
Taranta Babu in der Humboldt-Straße alte Fäden unter GenossInnen geknüpft, die sich teils lange nicht mehr gesehen hatten. Möge die Bourgeoisie erzittern: Daraus kann noch etwas werden!
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